Sie sind hier: Kunst
Zurück zu: Startseite
Weiter zu: Aktuell Ausstellungen Schriftbild, Mediale Botschaft Galerie
Allgemein: Befreundete Links Impressum

Kunst

Neue Arbeiten „Glanzstücke“ oder der Zufall ist der Meister der Kunst.

Wenn die Reduktion offensichtlich ist, ist sie die grösste Herausforderung. Der Bildbetrachter mag die Einfachheit als Leichtigkeit interpretieren, doch für mich ist sie es nicht. Zwar entsteht der reduzierte Ausdruck in meinen Werken in wenigen Ansätzen. Es einfach „hinwerfen und stehen lassen“? Die Herausforderung ist oft enorm, dem hingelegten noch etwas hinzufügen zu wollen, zu müssen.
Ich halte den Druck nur aus, wenn ich aus dem Atelier gehe, warte, bis eine Farbschicht angetrocknet ist und dann dem Bild neu begegne. Sozusagen mit „neuen Augen“ auf das Unvollendete zugehe. Oder ist es schon vollendet? Manchmal trage ich den Malkörper aus dem Atelier, trage ihn in einen anderen Raum, um mich dort, in einer neutralen Umgebung, neu auf das Bild hinzubewegen, als wäre ich jemand anders. Ich drehe und wende es, „stehe Kopf“ und gerate in einen inneren Dialog. Mir gegenüber steht das Werk, das noch kein Werk ist,sondern ein „Geschmiere“ oder Farbfetzen auf einem Untergrund. Bockig, unnahbar, nicht fähig, mich abzuholen und mir Genugtuung zu verschaffen, indem ich weiss, das es „gut“ ist.
Meistens geht es so über Tage hinweg. Wenn ich abends mit der Malerei abschliesse, weil das Licht weicht, weil ich entweder hungrig bin, müde, oder wenn ich nicht weiterkomme, so nehme ich eine Unruhe mit hinaus. Es auszuhalten, das Gefühl des Unvollendeten, das Unwissen, ob am nächsten Tag ein Durchbruch gelingt, ein Durchbruch zum stimmigen, das ist nicht immer leicht.Für mich ist die Ausgewogenheit in einem Werk entscheidend. Dabei räume ich ein, dass es nur auf mich ausgewogen wirkt, nicht zwangsläufig auf jemand anders.Vielleicht gehe ich auch Risiken ein. Das Risiko, es einmal nicht ausgewogen zu belassen und damit eine Spannung zu erzeugen. Reine Ausgewogenheit ist langweilig. Und damit widerspreche ich bereits mir selbst...
Ich gehe gerne mit einem nassen Pinsel am Bild vorbei und lasse etwas fallen. Der Zufall ist der Meister der Kunst. Wohin ein Tropfen fällt, das entzieht sich meinem Verstand und oft staune ich über den Akzent, den ich selber sicherlich viel überlegter, weniger spontan, gesetzt hätte. Etwas vom Besten in meinem Leben ist die Pause nach einem vollendeten Bild, mit dem ich absolut zufrieden bin. Die Ruhe, die sich dann einstellt (wenn auch nur vorübergehend, solange nämlich, bis ich mich wieder ans Nächste wage) ist die Ruhe nach dem Sturm. Diese Ruhe beinhaltet die tiefe Befriedigung, dass die Malerei das ist, was zu mir gehört.

Material
Glanzstücke sind abstrakte Arbeiten in Mischtechnik auf 6cm Industriekarton. Der Finish besteht aus Epoxyd Harzen, welche in aufwändigem Verfahren in mehreren Schichten aufgetragen werden und dem Bildkörper seinen Glanz und seine Tiefe verleihen. Die Bildsprache ist vertikal oder horizontal zu verstehen. Grossformatig versetzt sie den Raum in eine charismatische, beinahe utopische
Stimmung. Bestechend sind Einfachheit, Ausdruck und die Kraft der Farben.

Véro Straubhaar 2015